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Bericht von der 69. Deutschen Einzelmeisterschaft
„Auf diesen Titel habe ich 42 Jahre lang hingearbeitet.“
Die Deutschen Meisterschaften in Magdeburg gehen zu Ende. Wieder konnten sich Skatspielerinnen und Skatspieler in den Kategorien Herren, Damen, junge Leute, Junioren und Senioren einen Kampf um den deutschen Meistertitel leisten.
Die neuen Deutschen Meisterin und Meister sind gekürt. Es war ein heißes Wochenende in Magdeburg, dennoch lief alles reibungslos. Unter der Leitung der Spielleiterin Marion Schindhelm und des Spielleiters Jörg Dannemann konnte pünktlich um 15:30 Uhr die Siegerehrung starten.
Kaum einer konnte glauben, dass dies der erste deutsche Meistertitel für die Skatkoryphäe Walter van Stegen sein sollte. Was Walter dazu sagt, könnt ihr später im Berichtsverlauf lesen.

Die neue Dameneinzelmeisterin Manuela Weidner
ist dem Walter da schon etwas voraus.
Sie konnte sich schon einmal den Titel erkämpfen.
„Trotzdem ist das Gefühl großartig“, sagt die erfahrene Skatfrau.
„Es war sehr spannend am Ende.
Erst sah es so aus, als würde Monque das Rennen für sich entscheiden. Ich hatte dann aber etwas Glück und konnte einen furiosen Endspurt einlegen.
Einen Grand gewinne ich etwas glücklich mit 62, vielleicht darf ich den sogar gar nicht spielen. Hat aber geklappt.“
Manuela ist bekannt für ihr gutes Skatspiel, spielt auch in der Bundesliga.
„Ich bin nicht mehr ganz so aufgeregt wie beim ersten Mal, aber trotzdem freue ich mich sehr, den Pokal gewonnen zu haben.“
Ein absolutes Novum schaffte der Senioren-Einzelmeister Wolfgang Wiechert. Der Präsident des Landesverbandes 4 schaffte etwas, was noch keiner schaffte. Er verteidigt seinen Titel. Es sah anfangs erst gar nicht danach aus: „Es war wahrlich kein Start-Ziel- Sieg gewesen“, sagte Wiechert, als ich ihm nach dem Verlauf seiner Meisterschaft fragte.
„Ich bin sehr schlecht ins Turnier gekommen und saß nach zwei Serien erst einmal ganz weit hinten. In den zweiten Tag bin ich dann von Platz 25 ungefähr gestartet. Ich machte dann plötzlich tolle Spiele und hatte ein gutes Händchen. Am Ende stand ich ganz oben. Ich freue mich so sehr.“

Was kannst du aus dieser Meisterschaft mitnehmen?
„Man sollte nie aufgeben, auch wenn es erstmal schlecht aussieht. Glaube immer an dich selbst, dass du es dennoch schaffen kannst und gib dein Bestes. Dann ist die Chance höher, dass es funktioniert. Ich habe immer an mich geglaubt und als erster überhaupt einen Deutschen Meistertitel verteidigt, soweit ich weiß (Junioren ausgeschlossen). Darauf bin ich sehr stolz“.

Das fröhlichste Gesicht zeigte der neue Junge-Leute-Einzelmeister. Robin Wagner von Reizende Jungs Heumaden spielt erst zwei Jahren aktiv im Verein. Der Stuttgarter kam über den Hochschulsport zum Vereinsskat. Der Landesmeister aus LV 07 konnte im letzten Spiel den zu diesem Zeitpunkt amtierenden deutschen Einzelmeister Marian Ritsch einholen. „Ich war so aufgeregt. Ich musste spielen, da Max (Cichetzki), der nur wenig Punkte hinter mir war, das letzte Spiel gegeben hatte, nicht mehr eingreifen konnte. Ein einfaches Herz musste ich mindestens spielen. Auf einmal hatte ich dann drei Buben und zwei Asse.“
Wie bist du denn zum Skatspielen gekommen?
„Früher in der Schule habe ich mit Freunden in der Pause gespielt. Dann habe ich von dem Hochschulsportkurs gehört und teilgenommen. Das hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich regelmäßig dabei bin. Letztes Jahr war ich dann zum ersten Mal bei der Endrunde dabei.“
Marian hatte ja knapp 1000 Punkte Vorsprung. Was ist da passiert?
„Ehrlicherweise war mein Ziel vor der letzten Serie, auf das Treppchen. Niemals hätte ich gedacht, dass ich den so erfahrenen Marian einholen werde. Marian hatte wirklich gar keine Chance, kein Material und dann haben wir ihm auch noch zwei Spiele umgebogen. Trotzdem wollte ich natürlich Platz 4 und 5 nicht aus den Augen lassen. Dann hatte ich in dieser Serie auch einfach viele Spiele knapp gewonnen und das letzte Spiel bekommen. Marian hat mir auch sofort gratuliert, sehr fair. Hat richtig Spaß gemacht.“.
Bei den Junioren konnte sich Noah Wanzel durchsetzen. Auch er ist bei den jüngeren Skatspielerinnen und Skatspielern bekannt und regelmäßig auf dem Treppchen anzutreffen. Neben ihm auf Platz 2 landete Ruben Schmid aus Bad Vilbel vor Nele Möhring von Littken Borgwedel.


Genauso große Freude gab es beim neuen Deutschen Einzelmeister der Herren, Walter van Stegen. Jeder im Skat kennt diesen Namen. Die Bekanntheiten des Skats zitieren ihn und seine spannenden Partien. Kaum zu glauben, dass ihm der nun erspielte Titel noch fehlte.
„Seit 60 Jahren bin ich Mitglied im DSkV. Es fehlte mir noch ein Titel und das war dieser! Nun bin ich 75 Jahre, eigentlich könnte ich schon lange bei den Senioren spielen, aber das wollte ich noch nicht machen!“
Ist man mit 75 Jahren und nach so vielen Jahren Skaterfahrung noch aufgeregt?
„Ich sag mal so: Ich hatte am Ende Gott sei Dank viel Vorsprung, so dass ich kein Wimpernschlag-Finale spielen musste. Da muss man dann einfach cool bleiben und das habe ich getan.“
Jetzt hast du den Pokal endlich in der Hand. Bist du immer noch cool?
„Auch die sechs bis sieben Verlustspiele in den ersten Serien haben mich nicht umgehauen. Ich habe einfach versucht, professionell zu bleiben. Nun auch Deutscher Meister im DSkV zu sein, ist einfach toll.“
Du bist der absolute Profi. Wenn man deinen Namen ins Spiel bringt, kommen so Begriffe wie „Koryphäe“ oder „Skat-Urgestein“. Ich konnte gar nicht glauben, dass du noch keine DEM gewonnen hast.
„Ja, wenn andere das über mich sagen, freut mich das natürlich. Ich würde das nie von mir selbst behaupten. Aber ich versuche, meine Erfahrung und mein Fachwissen an alle weiterzugeben. Ich spiele einfach für mein Leben gerne Skat.“
Vielen Dank an alle Skatspielerinnen und Skatspieler, an das Personal des Maritim Hotel Magdeburg und an das gesamte Team, dass für die Durchführung des Turniers gesorgt hat!
Mehr Impressionen gibt es unter anderem bei Instagram (@dskv.official) zu sehen.
Bente Rönnspeck