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                      Kontra und Re von Berlin bis Altenburg         Bilder        Ergebnisse
              Ungewöhnlichstes Turnier im ICE / Skatfreunde aus ganz Deutschland spielen für einen guten Zweck

Berlin 27.6.09: „18, 20, Zwo ...“ Kaum rollte der zu diesem Zeitpunkt noch namenlose ICE aus dem Berliner Ostbahnhof, waren die Skater schon in ihrem Element. Zu­mal alles bestens von Spielleiter Peter Reuter vorbereitet war. Die Spieler auf die Waggons verteilt, die Plätze waren zugewiesen und die Spiellisten vorgedruckt. Auch Ingo Klein hatte seine Schützlinge rasch untergebracht und die letzten Hinweise gegeben. Der 36-Jährige spielt seit 20 Jahren Skat, aber bei so einem verrückten Turnier war er noch nie da­bei. Keine Frage deshalb für den jungen Mann aus Krekel in der Eifel, sich als Helfer für das Projekt „Kontra und Re im ICE zur Verfügung zu stellen.

Er war freilich nicht der einzige mit einem langen Weg und einem sehr zeiti­gen Weck-Termin. Fast alle waren Skatfreunde waren bereits am Freitag in Altenburg angereist, um sich am Samstag um 6.30 Uhr per Bus nach Ber­lin auf den Weg zu machen um im ICE nach Altenburg die erste und dann im Bahn­hof die zweite Turnier-Serie zu spielen. Ein Präsidiumsmitglied verschlief die Busabfahrt und war aber doch noch rechtzeitig zur Abfahrt in Berlin.

„Etwa 240 Turnierteilnehmer, darunter etwa 30 Bild-Leser und rund 70 Begleitpersonen und Medien­vertreter sind an Bord“, freute sich Jan Ehlers vom Präsidium des Deutschen Skatverbands kurz vor Leipzig bei ei­ner ersten Bilanz des rollenden Skattur­niers. Und er hatte noch einen weiteren Grund zur Zufriedenheit: „Das Turnier ist Bestandteil unseres Herz-Bube-Skat­worldcups, für den Bundeskanzlerin Angela Merkel die Schirmherrschaft übernahm. Mit den Erlösen helfen wir schwerstverletzten Bundeswehrsoldaten und ihren Famili­en. 78 000 Euro für das Soldatenhilfswerk sind bereits zusammengekom­men und heute werden es bestimmt noch einmal 2000 Euro mehr.“ Unter den Teilnehmer der Bild-Zeitung holte sich Hei­drun Schröder mit 757 Punkten den Sieg. Die Rostockerin gewann somit eine Mittelmeer-Kreuzfahrt auf der „Celebrity Century“.

Die hochrangig bestückte Prominentenrunde spielte entspannt im Speisewagon. Unter ihnen Thüringens Landtagsabgeordnete Dr. Birgit Klaubert (Die Linke), Chefreporter der Bild-Zeitung Hartmut Kascha, LVZ-Chefredakteur Bernd Hilder sowie weitere Abgeordnete, Bürgermeister, örtli­che Kreistags- und Stadtratsmitglieder sowie Bahn- und Skatfunktionäre. Oberbürgermeister Michael Wolf strahlte: „Ich bin sonst nicht so gut im Skat. Aber die 200 km/h haben mich diesmal beflügelt. Ich glaube ich muss dies öfters wiederholen!“ Brauereibesitzerin Petra Haase machte kräftig Werbung für ihr Leibgetränk.

Während der Fahrt wurde Karl Besse, Ehrenpräsident des Bundesverbands der Automatenwirtschaftsverbände, von Jan Ehlers für seine langjährige Unterstützung des Deutschen Skatverbandes mit einem gelben Buddy-Bären ausgezeichnet. „Ich freue mich über diese Auszeichnung“, sagte Besse. „Jan Ehlers und ich haben so viele gemeinsame Turniere für einen guten Zweck organisiert, dass ich sie gar nicht zählen kann. Nach meinem Ausscheiden aus dem BA-Präsidium wird mein Nachfolger, Andy Meindl diese Aufgabe übernehmen.“ Er sei sicher, dass die zukünftige Zusammenarbeit ebenso erfolgreich verlaufen werde wie bisher. Zudem zeigte sich Vizepräsident Jan Ehlers überrascht, als ihm Präsident Peter Tripmaker die Goldene Ehrennadel des DSkV anheftete.

Wer keinen Platz mit Tisch erwischt hatte, spielte quer über den Gang. Doch nicht nur für die Passagiere des ICE war es eine ungewöhnliche Fahrt, auch die Crew hatte einige Besonder­heiten zu berücksichtigen, beispielswei­se bei der Versorgung. Denn für nam­hafte Altenburger Unternehmen war es klar, bei so einem Projekt dabei zu sein. So gab’s zum ICE-Standard-Angebot des Bordrestaurants eben auch Altenburger Bier aus den dazugehörigen Gläsern, Schwarzgebrannten und Altenburger Ziegenkäse zur Stärkung zwischen­durch, derweil mit den Karten der Son­deredition der Spielkartenfabrik weiter kräftig gereizt, gestochen und aufge­trumpft wurde. Dem Zugpersonal machte es sichtlich Spaß. „Die Leute sind lustiger drauf, keine gestressten Dienst­reisenden wie sonst“, meinte Restau­rant-Steward René Buhrmeister, der gern solche Sonderfahrten übernimmt.

Bahnhof ABGGleich einen doppelten Grund für sei­nen Dienst hatte Zugchef Stefan Schnei­der. „Als ich in der Zeitung von dieser Fahrt las, wollte ich sofort dabei sein. Zusammen mit einigen Kollegen habe ich mich dafür beworben“, so der Skatstädter, der sonst mit Zügen in ganz Deutschland unterwegs ist. Und so konnte er am Sonnabend nicht nur den ICE zur Taufe auf den Namen seiner Heimatstadt „nach Hause“ fahren, son­dern an Bord auch gleich noch miterle­ben, wie seine beiden Kinder Sandra und René den neuen Jugend-Skatclub „ICE Altenburg“ mit begründeten.

Ein ganz be­sonderes Geburtstagsgeschenk mach­ten sich Schüler des Altenburger Lerchenberggymnasiums. Die jungen Ska­ter mischten nicht nur beim rollenden Skatturnier kräftig mit, sondern gründeten an Bord des mit Hochgeschwindigkeit dahinbrausenden ICEs auch ihren neuen Skat­club mit dem passenden Namen „SC ICE Altenburg“. Skfr. Roland Plau, Präsident der Altenburger Verbandsgruppe, übergab die Gründungsurkunde und freute sich über die Bereitschaft der Mädchen und Jungen, die Nachwuchsarbeit des Verbandes anzukurbeln und die Skatstadt bei Turnieren würdig zu vertreten. Mit der Na­mensübernahme solle zugleich die Er­innerung an diesen für die Stadt wichti­gen Höhepunkt gepflegt werden, beton­te Dieter Schwenke, der die Skat-Angebote am Gymnasium betreut.

Die Deutsche Bahn AG hatte einen echten Trumpf ausge­spielt. Am Sonnabend, dem 27. Juni 2009, wurde in Altenburg (Thü­ringen) ein ICE auf den Namen der Skat-Hochburg getauft. „Es fährt ein, der ICE aus Berlin. Treten Sie bitte von der Bahnsteigkante zu­rück.“ Die mehrmalige Ansage der Altenburger Bahnhofssprecherin am Sonnabend kurz vor 14 Uhr war klar und deutlich. Doch nie­mand hörte auf sie. Über tausend Bli­cke waren von der Bahnsteigkante, von der Fußgängerbrücke oder anderen günstigen Standorten in Richtung Leip­zig gerichtet, viele Schaulustige waren mit Kameras ausgerüstet und jeder wollte ihn sehen: Den ICE 2791 aus Berlin, dem längsten Skatzug, den die Welt jemals gesehen hatte, der pünktlich auf die Minute um 13.55 Uhr in der Skatstadt hielt. Gefah­ren wurde er übrigens von dem aus Al­tenburg stammenden Lutz Hoppe.

Es war großer Bahnhof auf dem Bahnhof. Denn erstmals in der Ge­schichte wurde wenig später ein Intercity-Express II der Deutschen Bahn mit einer ordentlichen Sektdusche der Altenburger Wenzel auf den Namen der Stadt „Altenburg“ getauft. Thüringens Sozialministerin Christine Lieber­knecht (CDU) und Oberbürgermeister Michael Wolf wurden dabei gleich kräftig mitgetauft.

Vor der Taufe enthüllten Lieber­knecht und Altenburgs Oberbürger­meister Michael Wolf (SPD) den am ICE angebrachten Schriftzug und das Stadtwappen. Der OB unterzeichnete im Anschluss gemeinsam mit dem Konzernbevollmächtigten der Deut­schen Bahn AG für Thüringen, Gerold Brehm, die Taufurkunde. Der Name „Altenburg“ ist auf beiden Zugseiten und -enden des ICE angebracht. Hauptsächlich wird der Intercity zwischen Berlin und dem Ruhrgebiet, wei­ter nach Köln und Bonn sowie zwi­schen Hamburg und München unter­wegs sein.

Altenburgs Oberbürgermeister wies auf drei bedeutende Jubiläen hin, die zeitgleich mit der Taufe gefeiert wer­den. So treffen 500 Jahre Altenburger Spielkarten auf eine 160-jährige Tradi­tion im Eisenbahn­verkehr und das 130-jährige Beste­hen des Bahnhofs­gebäudes. „Wir müssen mehr für unseren Bekanntheitsgrad tun“, forderte Wolf ange­sichts der Werbewirkung, die mit dem auf Altenburg getauften und durch Deutschland rollenden ICE einhergeht. Der OB forderte, dass Altenburg noch besser an die Bahn angebunden werde müsse, um beispielsweise vom Ausbau der Sachsenmagistrale und dem entstehenden Leipziger City-Tunnel profi­tieren zu können. „Die Deutsche Bahn ist einwichtigerStandortfaktorfür uns“, sagte er. Der Besucheransturm und die Massen auf den Bahnsteigen erfülle ihn mit der Vision, dass wieder viele Menschen die Bahn nutzen und mit ihr von und nach Altenburg fahren, rief der Oberbürgermeister. „Ich freue mich sehr, dass nun ein ICE den Namen unserer Stadt durch ganz Deutschland trägt und wünsche diesem Zug alles Gu­te, immer freie Fahrt und zufriedene Fahrgäste“, sagte OB Wolf.

„Es ist gut, dass Züge Namen ha­ben“, freute sich auch Sozialministerin Lieberknecht. Denn Züge seien Orte, die mit bleibenden Erinnerungen ver­bunden seien, wie Klassenfahrten, Familienausflüge oder sogar der Beginn von Eheschließungen. Möge der Zug für viele glückliche Begebenheiten ste­hen, sagte die Ministerin.

Er wünsche sich, dass Menschen, die den Zug sehen, Altenburg dann auch einmal besuchen, sagte Thüringens Bahn-Chef Gerold Brehm. Denn diese Stadt sollte man kennen. „Sie ist immer eine Reise wert.“

Nach der Taufe nutzten viele Besu­cher die Gelegenheit, den bereits etwas in die Jahre gekommenen ICE II zu besichtigen. Da der Altenburger Bahn­steig nicht nur reichlich verschlissen, sondern für solche Züge auch viel zu niedrig ist, hatte die Bahn Holzböcke zum sicheren Be- und Entsteigen auf­gestellt. Auf diese gewöhnungsbedürf­tigen Hilfsmittel soll in naher Zukunft verzichtet werden. Brehm kündigte an, den Bahnsteig in den nächsten Jahren zu sanieren und anzuheben.

Nach dem offiziellen Teil wurde die 2. Serie am Bahnhof eingeläutet. Der gesamte Bahnsteig wurde mit Skattischen überhäuft. Glücklicherweise war alles überdacht, denn leichter Nieselregen erfrischte die Gemüter. Der Sieg ging nach Schleswig-Holstein an Skfr. Dietmar Nagorny, „SC Had’n Lena Meldorf wurde Erster (1799 Punkte) und freute sich über die ausgelobten € 500,00 Siegprämie. Skfr. Ralf Stiersdorfer (1795) und Werner Scheufens (1792) folgten auf den Plätzen zwei und drei. Hinzuzufügen ist, dass 2 mal 24er-Serien gespielt wurden.

Doch am Samstagabend flogen in der Skatstadt die Karten weiter. Denn der Deutsche Skatverband hatte zum 110. Jahrestag seines Bestehens zu einem weiteren großen Turnier in die Destille eingeladen. Hier wurde in den beiden Serien zu jeweils 36 Spielen auch mit dem offiziellen Turnierblatt gespielt. Sieg und die € 1000,00-Prämie sowie Podestplätze gingen durchweg in die alten Bundesländer. Erster wurde Skfr. Rainer Möbes, „SC Lohhofer Spitzbuam“, (2447), Zweiter und damit auch gleich mit einer € 750,00-Prämie für seine viele Arbeit belohnt wurde VSL Peter Reuter, „SC Herz Bube 80 Kommern“ (2275). Den 3. Platz belegte Skfr. H.-Werner Molling (2270). Auch Präsident Peter Tripmaker befand sich unter den „Top Ten“1

Bankchef erhält Ehrengabe
Altenburg:. Der Vorstandsvorsitzende der VR-Bank Altenburger Land, Holger Schmidt, ist am Sonnabend am Rande der ICE-Taufe mit der Ehrenga­be von Bundeskanzlerin Angela Merkel ausgezeichnet worden. Die Gabe, ein Silberteller mit Gravur, übergab Thü­ringens Sozialministerin Christine Lie­berknecht (CDU). Damit werden die zahlreichen Benefiz-Aktivitäten von Schmidt gewürdigt, hieß es.

Brauerei-Mobil für Skatverband

Altenburg: Die Altenburger Brauerei hat dem Deutschen Skatver­band (DSKV) einen Kleinbus gespon­sert und diesen am Sonnabend auf dem Bahnhof übergeben. Das Fahrzeug, ein VW Caddy, trägt verschiedene Skat-Symbole auf schwarzem Grund und soll das Spiel, aber vor allem die Skatstadt noch be­kannter machen. DSKV-Vorsitzender Peter Tripmaker nahm das Fahrzeug entgegen und kündigte an, es durch ganz Deutschland rollen zu lassen. DSkV-Schatzmeister Hans-Jürgen Homilius strahlte verinnerlicht, denn nun hat er keine Probleme mehr die zahlreichen Werbebanner und sonstige Utensilien von Altenburg zu den zahlreichen Turnieren des DSkV zu chauffieren. In Jena war der Kleinbus schon im Einsatz. Siehe auch hier.